haskala: Thomas Wienroth und die Neonaziszene

Auf dem Blog des haskala (slf) findet sich ein informativer Artikel zum Jenaer Immoblienhändler Wienroth:

In Jena gehört das Unternehmen “Wienroth Immobilien” mit zu den größten Maklern der Stadt, der Geschäftsführer ist Thomas Wienroth. Er war über mehrere Jahre führend in der Thüringer Neonazi-Szene aktiv und beteiligte sich intensiv am Aufbau von rechten Strukturen im Freistaat und auch darüberhinaus. Wienroth war Anmelder, Redner, Organisator und Parteifunktionär zu gleich, er arbeitete mit NPD, JN und Kameradschaften nah zusammen. Dann tauchte er kommentarlos von der rechten Bildfläche ab, war nicht mehr bei öffentlichen Aktionen zu sehen und etablierte sein Immobiliengeschäft in Jena. Im Februar 2012 führte der Thüringer Verfassungsschutz ihn bei einer Veranstaltung in Rudolstadt als immernoch aktiven Neonazi in der Rudolstädter Region auf, auf Nachfrage bestätigte der Referent die Aktualität.

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Mehrere nächtliche Nazi-Demos

Antifa Saalfeld

Am 03. März 2012 kam es in Saalfeld (Thüringen) zu spontanen Aufmärschen rechtsradikaler Gruppen.

Zum wiederholten Male sollte ein Nazi-Konzert im „Alten Labor“ in Unterwellenborn, einer Nachbargemeinde von Saalfeld, stattfinden, welches aber von der Polizei verhindert wurde. Anmelder war wie üblich Steffen Richter, der in den letzten Jahren für eine Vielzahl von Veranstaltungsanmeldungen in der Umgebung von Saalfeld verantwortlich war. Das Konzert war am Freitag von der Gemeinde Unterwellenborn verboten worden, dieses Verbot wurde jedoch anschließend vom Verwaltungsgericht Gera wieder aufgehoben.
Allerdings wurden die im Januar nach einer Gefahrenverhütungsschau vom Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt erlassenen Brandschutzauflagen nicht erfüllt, sodass das Verbot für öffentliche Veranstaltungen im „Alten Labor“ in Kraft trat.

Nachdem die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Nazis von der Polizei in Unterwellenborn abgewiesen wurden, sammelten sich nach Polizeiangaben etwa 30, nach Augenzeugenberichten jedoch etwa 50 gewaltbereite Rechte und zogen mit einer Spontandemonstration durch die Innenstadt von Saalfeld um gegen dieses Verbot zu protestieren.

Dabei stellten sie in der Innenstadt eine Gefahr für alle Menschen dar, die nicht in ihr Weltbild passen. So versuchten sie zum alternativen „Klubhaus der Jugend“ zu gelangen um es anzugreifen. Die Polizei konnte sie gerade noch rechtzeitig abdrängen und die Nazis drehten ab.
Kurz darauf konnten sie unter den Augen der Polizei mehrmals auf Antifaschist_innen losgehen, die sich jedoch glücklicherweise in Sicherheit bringen konnten. Wegen der inzwischen erhöhten Polizeipräsenz wurde anschließend eine weitere Spontandemonstration in Gorndorf, einem Stadtteil von Saalfeld, durchgeführt. Beide Aufmärsche wurden ebenfalls von Richter, welcher bereits seit langem eine Führungsperson der rechten Szene ist, angemeldet.
Mehrere Kleingruppen der Nazis blieben jedoch in der gesamten Innenstadt zurück und bedrohten aggressiv Menschen.

Das schon seit langem immer offensiver werdende Auftreten von Nazis in Saalfeld und Umgebung, sollte auch den letzten linken Menschen im Landkreis gezeigt haben, dass ein ruhiger Kiez ohne Probleme mit Nazis keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Broschüren zu Nazis & rechten Strukturen in Jena

Die JG Stadtmitte und Jugend-, Aktions- und Projektwerkstatt (JAPS) Jena haben jeweils auf ihren Seiten Broschüren zu Nazis und rechten Strukturen in Jena online gestellt:

…nicht vom Himmel gefallen. Rechtsextremismus in Jena
(2001, Broschüregruppe “…nicht vom Himmel gefallen”)
Download bei der JAPS
Download bei der JG

Rechtsextreme Strukturen in Jena
(2009, Broschüregruppe JAPS Jena / JG-Stadtmitte)
Download bei der JAPS
Download bei der JG

Restexemplare der gedruckten Versionen gibt es noch bei der JG sowie bei der JAPS.

Der Thüringer Heimatschutz (THS)

Im Archiv gefunden:

THS wurde Anfang der 90er Jahre als “Anti-Antifa Ostthüringen” gegründet. Seit Mitte der neunziger Jahre firmiert diese Anti-Antifa unter dem Label “Thüringer Heimatschutz”. Als Begründer des THS gilt der Rudolstädter Neonazi Tino Brandt, Landessprecher der NPD Thüringen und Autor in “Nation & Europa”. Der THS gliedert sich in 3 Sektionen: Saalfeld/Rudolstadt, Sonneberg und Jena. Im THS sind nach Angabe des Verfassungsschutzes ca. 120 Neonazis organisiert. 1997 gelang es dem THS die Gaststätte “Heilsberg” in Heilsberg (bei Saalfeld) anzumieten. Sowohl der Besitzer als auch der Pächter stammen aus dem Umfeld des THS. Seit der Pachtung fanden dort regelmäßige “Mittwochtreffs” sowie Skinheadkonzert und “Wikingertreffen” statt. Am 11.10.1997 wurde im Rahmen der “Saalfeld-Demos” die Lokalität einer Razzia unterzogen, dabei wurde ein Umfangreiches Waffenarsenal beschlagnahmt. Die Gaststätte wurde bis zum 30.04.1998 betrieben. Während wir über die Sektion Sonneberg recht wenig sagen können, bleibt festzuhalten, daß die Sektion Saalfeld/Rudolstadt wohl am stärksten ist (eigene T-Shirts). Für Jena läßt sich der “harte Kern” auf ca. 30 Personen begrenzen. Das erreichbare Umfeld dürfte noch höher sein, da es keine vergleichbare “Ersatzorganisationen” (JN) existieren. 1

Zur Landtagswahl 1999 kündigte der THS an, die Wahl zusammen mit der NPD zu bestreiten. Diesen Worten folgten auch Taten: Bereits Ende 1998 kam es zu massiven Eintritten in die Partei, im Landesvorstand sind 5 von 11 Plätzen mit Mitgliedem des THS bzw. der Kameradschaft Gera2 besetzt (Gordon Richter, Tino Brandt, Ralph Wohlleben, Jörg Krautheim, Jan Stöckel). Auf die Landesliste schafften es 3 Kandidaten der Kameradschaft Gera — Jan Stöckel, Jörg Krautheim und Gordon Richter. Die Taktik, in die NPD einzutreten um so einen legalen Rahmen für die “politische Arbeit” zu bekommen wird auch von Tino Brandt in einem Interview mit Kennzeichen D bestätigt.

Auch überregional bestehen gute Kontakte zur neofaschistischen Szene. In Saalfeld erschien eine Zeit lang die “Neue Thüringer Zeitung” (NTZ) als Regionalableger der “Berlin-Brandenburger Zeitung” (BBZ). Herausgeber war Frank Schwerdt (NPD), Chefredakteur Christian Wendt, verantwortlich für den Lokalteil Tino Brandt. Die NTZ erschien im Jahre 1996 zweimonatlich, 1997 einmal und tauchte 1999 als Wahlkampfzeitung der NPD zur Landtagswahl auf.

Die bekanntesten Vertreter der Sektion dürften die “Jenaer Bombenbastler (Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe) sein. Die drei oben genannten Personen sind seit dem 26.01.1998 wegen "Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens” zur Fahndung ausgeschrieben. Sie stammen zweifelsohne aus dem Umfeld des THS, waren gut befreundet mit Andre Kapke (NPD, THS) und Ralph Wohlleben (THS). In Erscheinung tritt der THS in Jena vor allem durch Aufkleber (“Keine Macht den Zecken” usw.) bzw. durch seine (regelmäßigen) Auftritte zu Veranstaltungen der JG Stadtmitte. Im Mai 1999 wurde bekannt, daß der THSler Daniel Schubert an der Fichteschule in Jena junge Punks bedrohte und Adressen zu erpressen versuchte. In Jena existierten auch recht gute Kontakte zur Burschenschaft Jenensia — gerade die jüngeren THS’1er (Ralf Oertel, Christian Kapke) sah man recht häufig bei Veranstaltungen und Grillparties der Jenensia. Der (ex-)Jenense Dirk Metzig gehört auch dem THS an, er beteiligte sich an verschiedenen Aktionen (18.07.98 Jena — REP, Demonstration in Magdeburg) und ist mit Christian Kapke eng befreundet.

Der letzte größere Kraftakt des THS dürften die Wochen im Oktober 1998 gewesen sein. Fast täglich kam es zu An- und Übergriffen auf Jugendliche und Migranten. Grund war der Versuch Andre Kapkes, in der Innenstadt Fuß zu fassen (er bezog eine Wohnung in der Jenergasse) und die entsprechenden Reaktionen darauf. Das Powerplay der Nazis lief allerdings ins Leere, als einzig schwerwiegend ist der Vorfall vom 02.01.1999 zu bezeichnen (siehe unten).

  • Am 24.01.1998 beteiligt sich der THS an einer “Anti—Wehrmachtsausstellungs-Demonstration” in Dresden.
  • Am 18.07.1998 beteiligt sich der THS an einer Kundgebung der “Republikaner” in der Jenaer Innenstadt. Am Abend wird ein Dönerverkäufer am Saalbahnhof von Neonazis (darunter: Andre Kapke) krankenhausreif geschlagen.
  • Am 22.08.1998 kommt es zu einem unangemeldeten “RudoIf Hess Aufmarsch” in Gotha. Ca. 70 Neonazis bewegen sich Parolen brüllend und im Laufschritt durch die Innenstadt. Bei Eintreffen der Polizei hat sich die Demonstration bereits aufgelöst. In Gera gibt es einen ähnlichen Versuch von 20 Neonazis (Kameradschaft Gera), dieser wird jedoch von der Polizei unterbunden.
  • Am 10.10.1998 führen ca. 40 Neonazis aus Saalfeld und Jena eine spontane Demonstration in der Jenaer Innenstadt durch. Auf Flugblättern wird gegen die JG gehetzt (“Liebe predigen, Hass schüren”), die Polizei löst die Demonstration auf.
  • Am 02.01.1999 werden 2 junge Frauen von ca. 20 vermummten Neonazis in Jena/Burgau überfallen. Zuvor wurden sie durch Christian Kapke bedroht und “überredet”, sich mit ihm an einer Tankstelle in Jena/Lobeda zu treffen. Die Opfer werden durch einen sehr aufgebrachten Andre Kapke bedroht und mehrere Stunden festgehalten. Die Neonazis nehmen den Opfern die Ausweise ab, wollen “irgendwelche Namen” haben. Den Frauen wird im Falle einer Anzeige gegen die Neonazis mit weiterer Gewalt gedroht, schließlich erhalten sie die Ausweise zurück und dürfen gehen.
  • Am 01.05.1999 wollten sich ca. 50 Neonazis, darunter Tino Brandt, auf die Reise zur NPD-Demonstration nach Bremen begeben. Der Bus wurde durch die Polizei an der Abfahrt gehindert.
  • Am 04.09.1999 gelang es dem THS-Kader Andre Kapke unter dem Deckmantel eines “Bildungswerks für Politik und Kultur” Räume im Stadtteilzentrum LISA für eine Veranstaltung mit Prof. Claus Nordbruch anzumieten. Geworben wurde für die “Veranstaltung im Großraum Jena” u.a. in “Nation & Europa” unter Angabe einer THS-Telefonnummer.

1 Bzw. existierte: Gerade im Zuge des Weihnachtsmarktes trat die JN verstärkt in Erscheinung. Zuvor galten JN und THS als “Konkurenzorganisationen”, bei der eindeutig der THS überwog. Für das Jahr 1998 gab der VS für die JN Thüringen ganze 2 Mitglieder an. Neben dem Flugblatt “Denkanstöße zum Weihnachtsmarkt” wurde jetzt bekannt, daß die Neonazis auf eigene Faust nach Räumlichkeiten in der Innenstadt suchen (Aushänge).

2 Die Kameradschaft Gera läßt sich nicht eindeutig dem THS zuordnen. Es ist festzustellen, daß beide getrennt agieren. So geschehen am 22.08.1998: Während der THS in Gotha einen Aufmarsch von 70 Neonazis organisierte, versuchte die Kameradschaft Gera ähnliches (und scheiterte).

Nazisprayer nach Razzien wegen Brandanschlag ermittelt

Das Haskala schreibt:

Im September 2010 wurde bekannt, dass die Polizei einen Brandanschlag von Neonazis auf die Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke) verhinderte. In den Wochen danach wurden die Ermittlungen ausgedehnt und Neonazis aus Jena und Umgebung bekamen mehrfach Hausbesuch von der Polizei, welche sich nach Telefonüberwachungen ebenfalls auf der Suche nach C4-Plastiksprengstoff befand. Dieser wurde bislang zwar nicht gefunden, dafür entdeckte man jedoch andere Beweismittel. Wie sich nun herausstellte ist der gleiche Täterkreis verantwortlich für die Farbanschläge auf das Haus vom Jenaer Oberbürgermeister.

Im Frühjahr 2010 wurden an dessen Privathaus in Wenigenjena Farbbeutel geworfen und Graffitis mit seinem Portrait sowie der Aufschrift “Wanted Dead or Alive” dort angebracht. Die OTZ berichtet heute:

Die Polizei hat zwei Personen aus dem rechten Spektrum ermittelt, die im Februar 2010 einen Farbanschlag aufs Haus des Jenaer Oberbürgermeisters Dr. Albrecht Schröter (SPD) verübt haben sollen.

Jena/Gera. Im Rahmen von Durchsuchungen der Sonderkommission “Feuerball” seien bei “zwei bekannten Größen des rechten Spektrums” Sprühfarbe und eine Schablone gefunden worden, sagte Jens Wörmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Eine Untersuchung des Landeskriminalamtes habe ergeben, dass Farbe und Zusammensetzung mit den Spuren auf dem Haus des Oberbürgermeisters übereinstimmten. Die Schablone zeige zudem Symbole, die auf die Fassade aufgebracht worden seien. “Die Beweismittel sind ein deutlicher Hinweis”, sagte Wörmann.

Seinen Angaben zufolge wird gegen die Verdächtigen auch wegen anderer Straftaten ermittelt, so wegen unerlaubten Besitzes von Waffen und Sprengstoff. Im Rahmen der Ermittlungsarbeit der Soko “Feuerball” gab es mehrere Razzien, so eine Durchsuchung des Braunen Hauses in Jena. Direkt nach dem Anschlag war bereits vermutet worden, dass Täter aus der rechten Szene dafür verantwortlich sind. Oberbürgermeister Schröter engagiert sich seit Jahren aktiv im Kampf gegen Neonazis.

Quelle: OTZ