Offener Brief an Pekari von CC, JURI & JAPS

Am 2.11. schrieben Club Communism (Sektion Jena/Erfurt), JURI – Linke Gruppe und JAPS einen offenen Brief an Pekari und die Orga-Gruppe der ALOTA.

Liebe ALOTA-Vorbereitungsgruppe, liebe Pekaris,
im Rahmen der maßgeblich von Pekari organisierten und durchgeführten Alternativen Orientierungstage (ALOTA) 2016 in Jena, gab es am 18. Oktober 2016 den Workshop bzw. Vortrag „Antisemitismus erkennen, eingrenzen und kritisieren“. Diese Veranstaltung hat einige von uns irritiert zurückgelassen und macht es für uns notwendig, mit euch ein Gespräch über Antisemitismus zu suchen. Die Veranstaltung hat unserer (nachfolgend kurz begründeter) Ansicht nach ihrem Anspruch, über Antisemitismus aufzuklären, nicht einlösen können und stattdessen Antisemitismus teils sogar verharmlost und einer linksradikalen Kritik am Antisemitismus entgegengewirkt.
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20 JAHRE ZAPATISTISCHE REBELLION – FRAGEND VORAN? Veranstaltungsreihe vom 24.-28. Juni in Jena

Vor 20 Jahren nahm die zapatistische Widerstandbewegung im Bundesstaat Chiapas/Mexiko ihren Anfang mit dem Aufstand der EZLN. Die Verteidigung des eigenen Lebens gegen feudale Großgrundbesitzer und deren paramilitärische Söldner sowie die Polizei und Armee des Zentralstaates ermöglichte neue Formen der Selbstverwaltung und Basisdemokratie und damit ein Leben in Würde für einen Großteil der unterdrückten indigenen Bevölkerung.

Der neue, offene und selbstkritische Ansatz der “Zapatistas” hatte starken Einfluss auf die weltweite globalisierungskritische Bewegung, auf den Punkt gebracht in Slogans wie “Eine andere Welt ist möglich!” und “Fragend schreiten wir voran.”

Das 20jährige Jubiläum ist Anlass für uns, sich erneut mit der zapatistischen Bewegung selbstkritisch auseinander zu setzen. In verschiedenen Veranstaltungen wollen wir von der Geschichte der Bewegung lernen, diskutieren, welche neuen Impulse sie gebracht hat und ob und inwiefern diese auch heute noch zeitgemäß oder schon wieder überholt sind.

Hier die einzelnen Veranstaltungen in Übersicht:

DIENSTAG, 24. JUNI 2014
// „DIE WELT VERÄNDERN OHNE DIE MACHT ZU ÜBERNEHMEN?!“
Theoretischer Input und gemeinsame Diskussion zu den Theorien des neomarxistischen Politikwissenschaftlers John Holloway

mit Marcel Weikert (Jena)
Carl-Zeiss-Straße 3, R384 / 19 Uhr

MITTWOCH, 25. JUNI 2014
// „SOMOS VIENTO – DER WIND SIND WIR“
Dokumentarfilm (2013) über den gegenwärtigen Widerstand indigener Gemeinden gegen einen von der Regierung geplanten Windkraftpark in der südmexikanischen Landenge von Tehuantepec.
Anschließend: Diskussion mit dem Produzenten
www.somosvientodocumental.wordpress.com

mit Steffen Maurer (Collectivo KoLibrI, Bremen)
Carl-Zeiss-Straße 3, R384 / 20 Uhr

DONNERSTAG, 26. JUNI 2014
// „ZAPATISMUS RELOADED? – ANSÄTZE UND EINFLÜSSE DES ZAPATISMUS AUF DIE GLOBALISIERUNGSKRITISCHE BEWEGUNG“
Vortrag und Diskussion zu den inhaltlichen Positionen und den Organisationsformen der Zapatistas

mit Luz Kerkeling (YaBasta-Netzwerk, Münster)
Carl-Zeiss-Straße 3, R384 / 19 Uhr

FREITAG, 27. JUNI 2014
// „UNLIEBSAME AUGEN – MENSCHENRECHTSBEOBACHTUNG IN CHIAPAS“
Vortrag und Gespräch über die Situation in den zapatistischen Gemeinden in Chiapas und die Arbeit in den sogenannten „Zivilen Friedenscamps“
www.carea-menschenrechte.de

mit Hannah Goebel (Carea e.V., Münster)
Carl-Zeiss-Straße 3, R384 / 19 Uhr

SAMSTAG, 28. JUNI 2014
// „¡OTRO MUNDO ES POSIBLE!- 20 JAHRE ERFOLGREICHER KAMPF DER ZAPATISTAS UND WIR“
Umfassender interaktiver Workshop (6-7 Stunden) zu den theoretischen und praktischen Ansätzen der Zapatistas, deren Übertragbarkeit auf unsere Verhältnisse und Formen der globalen Solidarität. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung sollen die basisdemokratischen und solidarischen Strukturen in Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen usw. stehen.
→ Anmeldung bitte über: joeibisch@gmx.de

mit Martin (Gruppe Alerta!, Düsseldorf)
der „RAUM“ in der Wagnergasse / 11 Uhr

organisiert durch:
– AK LzaS des Stura der FSU Jena

gefördert durch:
– AK Politische Bildung (FSU Jena)
– Referat für Menschenrechte (FSU Jena)
– demokratischer Jugendring

DAS HERRSCHAFTSKRITISCHE SOMMERCAMP 2014

Wie immer mit dem Besten aus Kulturindustrie und Gesellschaftskritik.

28.07. – 03.08. I Thüringen 

Auf dem alljährlichen Sommercamp der NFJ Berlin werden wir uns acht Tage lang politischen Diskussionen, Badespaß und Partys in der heißen Julisonne widmen. In Workshops, bei Film- und Diskussionsabenden wollen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisieren. Wir werden den gesellschaftlichen Alltag näher betrachten und untersuchen, welche Rolle Herrschaft in ihm spielt. Genauso wollen wir aber herausfinden, wie das schöne Leben aussehen könnte: Wer möchte, kann sich den Bauch in der Sonne verbrennen, in Hängematten unter Bäumen ein Buch lesen, Verstecken spielen oder abends beim Film schauen entspannen. Das Sommercamp findet in Thüringen statt und es wird für die gemeinsame Anreise einen Bus aus Berlin dorthin geben.

Bisher stehen Folgende Workshops:

  • Rassistische Mobilisierung in Deutschland durch antiziganistische Diskurse
  • Einführung in die Kritik des Antisemitismus
  • Make Capitalism History – Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie
  • Rassistische Mobilisierung in Schneeberg
  • Workshop zu Zines
  • Wer oder was sind eigentlich diese Antideutschen?
  • Der Genozid in Ruanda und die deutsche Linke
  • 2 1/2 Jahre nach Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) Eine Bestandsaufnahme anlässlich des Prozesses
  • Rassistische Mobilisierung in Deutschland durch antiziganistische Diskurse
  • Politik und Moral
  • Vortrag und Diskussion von Rassismus tötet! Leipzig
  • Psychoanalyse als Gesellschaftskritik
  • Das Gespenst des Hipsters – Ressentiment und Entdifferenzierung
  • Reaktionäre. Ein Überblick
  • Nazis, RAF und der Engel der Geschichte: Nachgeschichte der Shoah in der Bundesrepublik in den Filmen Thomas Harlans

Außerdem:

Feministisches Serienquiz, Filmabende, Party und Lesungen… to be continued

// Anmeldung, Ankündigungstexte und mehr Infos unter:

www.linkes-sommercamp.de

// Oder werdet undere Freund*innen bei facebook:

https://www.facebook.com/events/833382750009324/?fref=ts

Buchvorstellung und Diskussion am 17. Januar 2014

VERSCHENKTE GELEGENHEITEN

In einer Welt, in der kritische Theorie nicht nur, wie von Beginn an, mit gesellschaftlicher Ohnmacht geschlagen ist, sondern zum objektiven Anachronismus, zur nur noch lästigen Erinnerung an Unabgegoltenes wurde, ist sie zur Parodie ihrer selbst heruntergekommen: Sei es, daß man sie durch mehr oder minder redliche akademische Pflege als immer noch bessere Alternative im Angebot der Denkstile konserviert; sei es, daß man sie als Statthalterin einer obskuren intellektuellen Radikalität und Militanz mißversteht, die in Wahrheit nur als Obsession ihrer Verfechter existiert; sei es, daß man sie als Kampfplatz um die jeweils neuesten geistigen Bekenntnisse und Distinktionen in den Dienst nimmt. Nur mehr von marginalen Splittergruppen und aggressiv oder tiefsinnig herumräsonierenden Lesekreisen ernst genommen, verliert sie gerade dadurch ihren Ernst und droht objektiv kryptisch, zu einer besonders elaborierten Form von Obskurantismus zu werden, so daß man, wie Clemens Nachtmann jüngst bemerkte, versucht ist, von der Lektüre Adornos abzuraten, weil Einfalt gegenüber dem Gegenstand offener ist als solches falsche Verstehen. Durch ihre Popularisierung oder vermeintliche Aktualisierung ist dem so wenig abzuhelfen wie durch die immer beliebtere sprachliche Übung, die eigene Sprache durch Nachstellung des “sich” und frankophone Einsprengsel gerade dann bedeutungsschwer zu adornisieren, wenn man dem Gehalt von Adornos und Horkheimers Denken längst abgeschworen hat. Demgegenüber sollte daran erinnert werden, wie kritische Theorie ihren Anfang nahm: weder als sogenannte kritische Gesellschaftstheorie (die vielmehr ihre Schrumpfform ist) noch als Anweisung auf irgendeine Praxis, sondern als freie, das heißt der Sache nicht nur verpflichtete, sondern sich ihr vorbehaltlos hingebende Reflexion der Erfahrung von Wirklichkeit: in Horkheimers “Dämmerung”, Adornos “Minima Moralia”, Benjamins “Einbahnstraße” und “Berliner Kindheit um 1900” und den Feuilletons Siegfried Kracauers, mit sogenannten unsystematischen, gerade darin aber auf Verbindlichkeit zielenden, in ihrer Subjektivität das bloß Subjektive überschreitenden Texten also, denen die Untrennbarkeit von Sprach- und Denkform stets gegenwärtig blieb. Magnus Klaues Vortrag und sein in Kürze erscheinendes Buch “Verschenkte Gelegenheiten” (ça ira Verlag) versuchen diesen Zusammenhang zu vergegenwärtigen und auf den Einzelnen zurückzuwenden. Denn nur im Einzelnen und nicht in Gruppen, die durch Bekenntnisse und gegenseitige Verachtung zusammengehalten werden, bleibt die Hoffnung bewahrt, dass der Erkenntnisgehalt kritischer Theorie irgendwann doch begriffen wird.

Buchvorstellung und Diskussion mit Magnus Klaue

17. Januar 2014 Universität Jena , HS 7 // 19:00

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt u.a. für Bahamas und Jungle World.

http://associationpdt.wordpress.com/

Einführung in das Konzept des nachhaltigen Aktivismus

26.11.2013: Frei(t)raum (Car–Zeiss-Str. 3) – 20.00 Uhr
Referent: Timo Luthmann (imagine communication/ausgeCO2hlt)

Kampf gegen den Klimawandel, Rassismus oder das Patriarchat stresst. Hinzu kommen Konflikte in der eigenen Gruppe, prekäre Lebensverhältnisse, … Die negativen Folgen: Burnouts, Depressionen oder der Rückzug ins Private. Da aber soziale und ökologischer Wandel eher einem Marathon als einen Sprint gleicht, sind gerade im krisenhaften Kapitalismus langfristige Konzepte gefragt! In diesem Zusammenhang wollen wir ergründen, wie ein wirklich nachhaltiger Aktivismus aussehen könnte. Gehört Burnout zu einer Aktivist_innenbiografie und was ist das eigentlich? Und mit welchen Strategien können wir individuell wie kollektiv widerstandsfähiger werden und einen nachhaltigen Aktivismus entwickeln, der nicht nur rein funktional gedacht ist, sondern das gute Leben spürbar machen läßt? Vortrag mit anschließender Debatte.

Ausstellung „Vermummt und Gewaltbereit“

http://rotehilfejena.blogsport.de/2013/11/20/ausstellung-vermummt-und-gewaltbereit/

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Das Ver­trau­en der Deut­schen in die Po­li­zei ist fast gren­zen­los. Aus dem Glo­bal Trust Re­port der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung geht her­vor, dass die Po­li­zei unter allen ab­ge­frag­ten
In­sti­tu­tio­nen das meis­te Ver­trau­en ge­nießt. Im Dun­keln blei­ben dabei die jähr­lich mehr als 2.​000 an­ge­zeig­ten Fälle von Po­li­zei­ge­walt in Deutsch­land. Sie er­schei­nen als Aus­nah­me, sind je­doch täg­li­che Pra­xis, von der nicht nur De­mons­tran­t_in­nen oder Fuß­ball­fans, son­dern auch Men­schen in ihrem nor­ma­len Le­bens­all­tag be­trof­fen sind. Po­li­zis­t_in­nen über­schrei­ten die Gren­zen der Le­ga­li­tät sys­te­ma­tisch, wei­ten diese aus und er­hal­ten immer weit­rei­chen­de­re Be­fug­nis­se und ef­fek­ti­ve­re Be­waff­nung.
Die Aus­stel­lung „Ver­mummt und ge­walt­be­reit. Po­li­zei­ge­walt in Deutsch­land“ macht auf diese Prak­ti­ken mit groß­for­ma­ti­gen Bil­dern und prä­gnan­ten In­for­ma­ti­ons­tex­ten auf­merk­sam. Es geht um Zwangs­räu­mun­gen, ras­sis­ti­sche Po­li­zei­ge­walt, Be­waff­nun­gen und pro­mi­nen­te Ex­trem­fäl­le wie der auf einer Münch­ner Po­li­zei­wa­che miss­han­del­ten Te­re­sa Z.

Die Aus­stel­lung wird am 09. De­zember um 15.​00 Uhr mit einem Vor­trag der Roten Hilfe Jena im Cafe Wag­ner er­öff­net und kann dort an­schlie­ßend bis zum 20. De­zember be­sich­tigt wer­den.

Antifa Demo am 17.November in Friedrichroda

Volkstrauertag abschaffen!
Gegen NS-Verharmlosung, Naziaufmärsche und deutsche Opfermythen!

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Intro

Als am 5. Mai 1985 der damalige US-Präsident Reagan von Helmut Kohl auf den Soldatenfriedhof in Bitburg eingeladen wurde, auf dem auch Gräber von SS-Leuten stehen, stand ein Paradigmenwechsel in der deutschen Gedenkpolitik an. Kohl und der deutschen Rechten ging es nicht um weniger, als um die Rehabilitierung der deutschen Vernichtungstruppen. Die Mitglieder von Wehrmacht und Waffen-SS sollten zu gewöhnlichen Soldaten, der Zweite Weltkrieg als gewöhnlicher Krieg dargestellt und damit ein Schlussstrich unter die Geschichte gezogen werden. Die Legitimation für diesen Schritt sollte der amerikanische Präsident liefern, der sich auf den symbolträchtigen Auftritt einließ. Die damalige deutsche Linke realisierte die Tragweite dieser Symbolik nicht. Dass diese unverschämte Rehabilitierung der deutschen Vernichtungstruppen, diese Verharmlosung der deutschen Barbarei heute immer noch zentraler Bestandteil deutscher Gedenkpolitik ist, zeigt sich an keinem Tag so klar wie am jährlich zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangenen Volkstrauertag.

Der Volkstrauertag und die deutsche Gedenkpolitik

“Was für Deutsche gilt: dass für die Deutschen die Geschichte der Nazis ihr Problem ist und nicht bloß das Problem der Opfer des Nazismus.” (Moishe Postone)

Die Geschichte des Volkstrauertages begann bereits in der Weimarer Republik. Im Jahr 1926 wurde der erste Volkstrauertag begangen, um den deutschen Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Was damals schon seinen Zweck in einer mehr oder weniger intensiven Kriegshetze fand, trat zur Zeit des Nationalsozialismus offen zu Tage. Die Nazis begingen den Volkstrauertag als sogenanntes “Heldengedenken” und auch die heutigen Nazis knüpfen nicht nur terminologisch an diese Tradition an. Nach der militärischen Niederschlagung Nazideutschlands und dem Abbruch der Shoah durch die Anti-Hitler-Koalition wurde der Volkstrauertag in der alten Bundesrepublik wieder eingeführt. Heute soll ausdrücklich den Toten beider Weltkriege und den Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht, für Frieden, Versöhnung und Verständigung gemahnt werden. Jeder spezifische historische Charakter jener “Gewaltherrschaft[en]”, die durchaus inzwischen auch den Staatskapitalismus der DDR einschließt, geht in einem solchen Gedenken verloren. Die deutschen Täter, die Millionen Menschen ausrotteten, stehen in einer Reihe mit den Mauertoten, den gefallenen Alliierten und den Opfern der Deutschen. Ein solches nivellierendes, also zwischen Opfern und Tätern nicht mehr unterscheidendes, Gedenken im Land der Täter ist für die politische Linke und für alle Menschen problematisch, die dafür eintreten, dass die Bedingungen der deutschen Barbarei, die Bedingungen des eliminatorischen Antisemitismus in diesem Land und weltweit beseitigt werden. Die gleichmachende deutsche Gedenkpolitik zum Volkstrauertag ist Ausdruck eines Bewusstseins, das die wirkliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus ablehnt, verdrängt bzw. diesen überhaupt vergessen machen will. Sie bestätigt nur immer wieder den Satz Paul Spiegels, wonach sich hinter den Rufen nach Frieden die Mörder verschanzen. Eine solche Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit hätte u.a. die Kontinuität jener Bedingungen, die nach Auschwitz führten und die bis in die Gegenwart fortdauern, zu thematisieren und zum Gegenstand politischer Kämpfe zu machen. Im Sinne eines solchen antifaschistischen Kampfes ist ein Gedenken an die deutschen Täter nicht hinnehmbar. Wir gedenken den ermordeten Jüdinnen und Juden, den Kommunistinnen und Kommunisten, den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, den Sinti und Roma sowie all den anderen unzähligen Opfern, die aufgrund einer menschenverachtenden Ideologie ihr Leben lassen mussten. Wir gedenken auch den Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, den Partisaninnen und Partisanen sowie den Soldatinnen und Soldaten der Anti-Hitler-Koalition. Für dieses Erinnern und Gedenken bedarf es keines Volkstrauertages, der im Begriff des Volkes ein Denken mitführt, das in Deutschland immer mit der Blut- und Bodenideologie verknüpft war, für welche Rassismus und Antisemitismus wesentliche Bestandteile sind. Eine Gemeinschaft, die auf Ausgrenzung und Abwertung basiert, lehnen wir ab. Wir kämpfen für ein solidarisches Miteinander aller Menschen, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung, Hautfarbe oder Herkunft, für eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Ausbeutung und Zurichtung.

Friedrichroda begrüßt seine Kinder

Wenn also jedes Jahr zum Volkstrauertag vielerorts Personen und Gruppen zusammenkommen, die die deutschen Verbrechen verharmlosen, offen leugnen oder die deutsche Kriegsschuld bestreiten, dann kann es nicht verwundern, wenn an diesen Zusammenkünften auch Nazis beiwohnen. Dass Nazis diesen Tag nutzen, ist keine Instrumentalisierung des Tages für andere Zwecke, sondern die logische Konsequenz seiner politischen Bestimmung. Zum elften Mal findet nun das zentrale Thüringer “Heldengedenken” am 17. November 2013 in der westthüringischen Provinz, in Friedrichroda, statt. Bereits am Vormittag legen die organisierten Thüringer Nazis in ihren jeweiligen Heimatgemeinden Kränze vor den Kriegsdenkmälern ab, oftmals zusammen mit dem dortigen Bürgertum. Zum abendlichen Fackelmarsch versammeln sich dann Nazis aus ganz Thüringen am Kriegsdenkmal in Friedrichroda. Im Stein des Denkmals ist die Inschrift “Für Heimat und Vaterland” eingeprägt. Die Zahl der Teilnehmer stieg in den letzten Jahren auf bis zu 140 Personen. Angemeldet wird die Demonstration seit 2009 vom Kreisvorsitzenden der NPD Gotha, Sebastian Reiche. Mit Fackeln bewaffnet begehen die anwesenden Nazis dann ihr ritualisiertes Gedenken an die gefallenen deutschen Soldaten. In gespenstiger Atmosphäre werden dann die Geister der Soldaten des Heeres, der Kriegsmarine, der Luftwaffe, der Waffen-SS und des Volkssturms von Reiche zurück in die Reihen ihrer Kameraden gerufen. Auferstanden ist zwar bis heute noch keiner, doch der Gruselfaktor in Friedrichroda ist enorm. Zum Abschluss der Zeremonie singen die Nazis noch Soldatenlieder und begehen eine Schweigeminute für die Verbrecher, die Auschwitz, Treblinka und all die anderen Konzentrations- und Vernichtungslager möglich gemacht haben, die Millionen Menschen ermordet und Europa in Schutt und Asche gelegt haben.

Outro

Protest gegen den Naziaufmarsch und das Volkstrauertagsgedenken gab es in den vergangenen Jahren nur von Seiten der Antifa. Die Mehrheitsbevölkerung von Friedrichroda versteckt sich in ihren Häusern, vermutlich wegen einer Mischung aus Desinteresse und heimlicher Sympathie für die Nazis. Die Verantwortlichen der Stadtpolitik verschweigen das Thema, mit dem Resultat, dass sich Friedrichroda zu einem festen Event im Terminkalender der Thüringer Nazis entwickelt hat. Wir wollen am 17. November nicht nur gegen diese Strategie der Ignoranz und den Aufmarsch der NPD auf die Straße gehen, sondern gegen eine deutsche Gedenkpolitik, die die Opfer der deutschen Vernichtungspraxis wie die Kämpfenden gegen das faschistische Deutschland verhöhnt, indem sie sie mit ihren Mördern in das gleiche Gedenken einbegreift. Der Kampf gegen den Volkstrauertag und seine Verfechter ist also ein Kampf gegen das Vergessen, gegen die deutsche Version von Versöhnung, gegen alles was sich mit der Macht der Herrschenden Geltung verschafft: Gegen Deutschland und seine Nazis!

Antifaschistisches Bündnis Gotha, Oktober 2013

Veranstaltungsreihe in Gotha
Kritik des Volkstrauertags und der deutschen Gedenkpolitik

Dienstag, 05. November 2013 – 19 Uhr, KubiXX (Blumenbachstr. 5)
Wider das Vergessen – Über die Bedeutung von Erinnerungsarbeit

Mehr als 68 Jahre nach der militärischen Niederlage Deutschlands drohen die Gräueltaten der Nazi-Barbarei wie überhaupt der Charakter der faschistischen Herrschaft in Vergessenheit zu geraten. Es leben nur noch wenige Überlebende – längst ist es an der zweiten und dritten Generation, den Nachfahren der Widerstandskämpfer_innen und Ermordeten, gegen das Vergessen anzukämpfen. Einige von ihnen mahnen und erinnern unermüdlich. Zu ihnen gehört Elke Pudszuhn. Elke ist Vorsitzende des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Nazi-Regimes/Bund der Antifaschist_innen (TVVdN/BdA). Sie berichtet im Gespräch über Bedeutung von Erinnerungsarbeit und über ihre eigene Erinnerungspraxis bzw. die ihres Verbandes.



Mittwoch, 06. November 2013 – 19 Uhr, Ju.w.e.l. (Hersdorfstr. 15)
Erinnern, Vergessen, Verdrängen – Deutsches Erinnern an den Nationalsozialismus

Die “Aufarbeitung deutscher Geschichte” verbindet immer wieder nationale Ideologie mit der Idee der Versöhnung. Neben die fortwährende Stilisierung der Deutschen als Opfer tritt seit den 90ern auch die Integration von Auschwitz in die deutsche “Erinnerungsarbeit”. Die Verantwortungsübernahme für den Holocaust adelt die Nation geradezu, und im Umgang mit den Opfern hat man Strategien entwickelt, diese zum Nutzen der deutschen Wiedergutwerdung einzuspannen. Diesem vorerst letzten Kapitel der Geschichte deutscher “Erinnerungskultur” gingen Phasen des Verschweigens und Verdrängens voraus. Der Vortrag der Jugend-, Aktions- und Projektwerkstatt (JAPS) aus Jena beleuchtet den Wandel und die Kontinuitäten der “Erinnerungskultur” in Deutschland und deckt auf, welche Rolle der ‘Volkstrauertag’ dabei spielt.



Dienstag, 12. November 2013 – 19 Uhr, Gewerkschaftsladen (Hauptmarkt 47)
Die Rolle des modernen Antisemitismus für die deutsche Vergangenheitsbewältigung

Seit der Shoah, der fast vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums durch die Deutschen, muss sich jede_r Antisemit_in zum potentiell eliminatorischen Charakter der eigenen Ideologie verhalten. Dies führte zu Veränderungen im Auftreten des modernen Antisemitismus. Heute wird u.a. von einem sekundären, auf Auschwitz folgenden, Antisemitismus gesprochen. Der Vortrag des Club Communism (CC) soll einführend die Varianten jenes sekundären Antisemitismus vom Revisionismus über die Schuldumkehr bis zum antizionistischen Antisemitismus darstellen. Schwerpunkt der Darstellung soll dabei auch sein, welche Funktion “Vergangenheitsbewältigung” für die Antisemit_innen einnimmt und vor welche Schwierigkeiten dies das Gedenken an die Shoah stellt.



Freitag, 15. November 2013 – 19 Uhr, Ju.w.e.l. (Hersdorfstr. 15)
Der Widerstand gegen Naziaufmarsch und Volkstrauertag in Friedrichroda

Zwei Tage vor dem Volkstrauertag und der Antifa-Demo gegen Naziaufmarsch und deutsches Gedenken in Friedrichroda berichtet das Antifa-Bündnis Gotha über die Spezifik des Gedenktages in der Kleinstadt und gibt letzte Infos für (Un-)Organisierte und Interessierte. Im Anschluss gibt es noch die Möglichkeit den Abend in Einzelgesprächen, an der Bar oder beim Kickern ausklingen zu lassen.

http://volkstrauertag-abschaffen.tk/

Veranstaltungsreihe zur Kritischen Theorie der Naturwissenschaften

Der Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften beginnt in Kürze eine Veranstaltungsreihe.

Bisher stehen folgende Termine fest:

Mi. 13.11.2013 // 19 Uhr, Hörsaal 9, Carl-Zeiß-Str. 3 
Martin Blumentritt (Hamburg)
Zum Begriff der Natur und der Wissenschaft bei Marx

Do. 28.11.2013 // 19 Uhr, Hörsaal 9, Carl-Zeiß-Str. 3
Jörg Huber (Freiburg)
Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis

Mi. 11.12.2013 // 19 Uhr, Hörsaal 9, Carl-Zeiß-Str. 3
Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt (Hamburg)
Der Begriff der Natur in der Epoche des Liberalismus

Mi. 22.01.2014 // 19 Uhr, Raum wird noch bekannt gegeben.
Malte Stoecken (Bielefeld)
Der Behemoth in den Naturwissenschaften.
Über nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und -ideologie

Angefragt: Hubert Laitko (Berlin) – Marxistische Akzente in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung der DDR

Kontakt:

http://aknawi.wordpress.com/
ktnawi@gmail.com

Vortrag am 13.Juni

Adolf Hitler, der unmittelbar allgemeine Deutsche

Über die barbarische Dialektik der Souveränität

In Deutschland wird Hitler als Gegenstand der Geschichtswissenschaft verdrängt, als verlorene Utopie betrauert oder als Bildungserlebnis staatstragender Demokraten gefeiert. Aber gerade als der tobende Teppichbeißer und manische Charismatiker, als den die Historiker ihn dem staunenden Publikum vorführen, ist Hitler doch allererst Anlaß zur Staatskritik, zur Reflektion auf das barbarische Potential der kapitalen Souveränität, die den nazistischen „Antisemitismus der Vernunft“ entband. Der Begriff des Nationalsozialismus ist demnach, wie ihn auch der Materialist Johann Georg Elser praktisch zu fassen suchte, in der Perspektive zu entwickeln, daß Hitler als Erscheinung des allgemeinen Deutschen, als der Souverän, hinter den Staatsapparaten hervortrat und als Person unmittelbar alles, was deutsch ist, verkörperte. Darin konvergieren die materialistische Kritik der politischen Ökonomie und gewisse Einsichten der Psychiatrie, denn eine barbarische Gesellschaft kann nur von einem Funktionär repräsentiert und ausagiert werden, der seiner psychischen Konstitution zufolge nichts anderes ist als eben: die negative Aufhebung des Subjekts im Individuum selbst, d.h.: ein Barbar sondergleichen. Liest man „Mein Kampf“ nicht nur als die ultimative Offenbarung aller in Deutschland definitiv nur möglichen Staatsphilosophie, sondern, was gar kein Widerspruch ist, zugleich als das Dokument einer psychischen Krankheit (wie es der Emmendinger Psychiater Wolfgang Treher in seinem fulminanten Buch „Hitler, Steiner, Schreber. Gäste aus einer anderen Welt“ gezeigt hat; siehe: http://www.oknos.de/german/frameger2.html) und, genauer, als das Protokoll einer seelischen Katastrophe, die das Ich, das internalisierte Subjekt, zerstört hat, und in Schizophrenie eskaliert, wird deutlich, was sich die Deutschen von heute mit der billigen, rationalistischen Deutung Hitlers als eines strategisch-ausgebufften, leider aber größenwahnsinnigen Machiavelli so vom Halse schaffen wollen, daß sie es für immer als ihr ursprüngliches Eigentum behalten können.

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn.

Joachim Bruhn  ist Co-Autor u.a. von Initiative Sozialistisches Forum „Das Konzept Materialismus“ (Freiburg 2009).

13.06.2013 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr